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Israels Ex-Präsident Peres hat sich trotz seines hohen Alters unvermindert für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt.

Israels Ex-Präsident

Schimon Peres nach Schlaganfall in Klinik

Tel Aviv - Seit Jahrzehnten kämpft Peres um Frieden in Nahost. Jetzt erleidet der hochbetagte Politiker eine massive Hirnblutung. Trotz der Sorge um seinen Zustand ist sein Leibarzt vorsichtig optimistisch.

Nach einem schweren Schlaganfall liegt Israels Ex-Präsident Schimon Peres auf der Intensivstation. Der 93-Jährige werde beatmet und sei "unter Narkose, um ihn möglichst stabil zu halten", sagte sein Leibarzt Professor Rafi Walden.

"Sein Leben ist nicht unmittelbar in Gefahr", sagte Walden, der auch Peres' Schwiegersohn ist. Am Morgen sei der Friedensnobelpreisträger nach einer vorübergehenden Verringerung der Narkosemittel sogar ansprechbar gewesen. "Ich habe mich sehr gefreut, dass er reagiert hat", sagte Walden. "Ich habe ihm gesagt, er solle mir die Hand drücken und er hat es getan, recht stark."

Der frühere Regierungschef war am Dienstagabend in das Scheba-Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv gebracht worden. Der Leiter der Klinik, Izchak Kreiss, sagte am Mittwoch, Peres' Zustand sei nach einer Hirnblutung weiterhin kritisch, aber stabil. Die Ärzte hatten sich nach Medienberichten wegen der Risiken vorerst gegen eine Operation entschieden.

Israels früherer Regierungschef Ariel Scharon hatte 2006 einen Schlaganfall mit massiver Hirnblutung erlitten. Ärzte konnten mit einer Operation sein Leben retten, er lag jedoch anschließend acht Jahre lang im Koma, bevor er starb.

Am Dienstagmorgen sei Peres noch "in perfektem Zustand" gewesen, sagte Walden. Er habe einen einstündigen Vortrag gehalten und anschließend leichte Kopfschmerzen bekommen.

Man wolle Peres später wieder aus der Narkose holen, um seinen Zustand beurteilen zu können, sagte Walden. "Die Überlebenschancen sind recht gut", sagte er. Es sei aber noch zu früh, um abschätzen zu können, wie sein Allgemeinzustand sein werde. Er sei "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich einer möglichen Genesung des 93-Jährigen, sagte Walden dem israelischen Fernsehen.

"Dies sind schwere Stunden für mich und meine Familie", sagte Schimon Peres' Sohn Chemi am Abend. "Die Zeit wird kommen, wo wir einige Entscheidungen treffen müssen." Alles hänge davon ab, wie sich die Dinge entwickelten.

Schimon Peres hatte erst vergangene Woche einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen. Bereits Anfang des Jahres hatte der Friedensnobelpreisträger einen Herzinfarkt erlitten. Bei einem öffentlichen Auftritt im Juli wirkte er gesundheitlich angeschlagen. Seine langjährige Ehefrau Sonja, die er 1945 geheiratet hatte, war schon vor mehr als fünf Jahren gestorben.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu telefonierte nach Angaben seines Büros noch am Abend mit dem Krankenhaus und ließ Peres Genesungswünsche übermitteln. Das ganze Volk bete für ihn. Auch Präsident Reuven Rivlin zeigte sich besorgt angesichts des Gesundheitszustandes von Peres.

Peres gilt als unerschütterlicher Optimist und hatte sich bisher trotz seines hohen Alters unvermindert für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt, unter anderem mit seinem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Er hat nie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern aufgegeben. Auch wegen seines beharrlichen Strebens nach Frieden ist er zudem einer der wenigen israelischen Politiker, der im Ausland beliebt ist.

Peres war bis 2014 sieben Jahre lang Israels Staatspräsident. Geboren wurde er 1923 in Polen als Sohn eines Holzhändlers, 1934 wanderte er ins damalige Palästina ein. Der Vater des israelischen Atomprogramms war zweimal Regierungschef und mehrmals Minister. Den Friedensnobelpreis erhielt er 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat.

dpa

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