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Wasserwerfer und Trängengas - die türkische Polizei geht in Istanbul hart gegen Demonstranten vor.

Polizei contra Demonstranten

Tränengas gegen Rockfans in Istanbul

Istanbul - Wasserwerfer und Trängengas - die türkische Polizei geht in Istanbul hart gegen Demonstranten vor, die gegen einen Angriff von Islamisten protestieren. Präsident Erdogan sorgt mit einer Ankündigung für Unmut bei Regierungskritikern.

Drei Jahre nach den regierungskritischen Gezi-Protesten in der Türkei kommt es erneut zu Demonstrationen gegen die islamisch-konservative Regierungspartei AKP. Auslöser ist ein Angriff von Islamisten auf ein Musikgeschäft.

Während der stundenlangen Proteste im Istanbuler Stadtteil Cihangir am Samstagabend setzten Polizisten massiv Tränengas und Wasserwerfer gegen einige Hundert Demonstranten ein, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Später löste die türkische Polizei ebenfalls mit Tränehngas einen Marsch von Transsexuellen auf. Elf Menschen seien festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Der Istanbuler Gouverneur hatte Demonstrationen anlässlich der „Pride Week“ für die gesamte Woche verboten.

Der Beschluss zielt vor allem auf die Abschlussveranstaltung, der jährlichen Schwulen und Lesbenparade am kommenden Sonntag, ab. Sie findet seit mehr als zehn Jahren statt und wurde vergangenes Jahr erstmals verboten. Damals verwies der Gouverneur auf den für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan. Dennoch gingen Tausende auf die Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die friedlichen Demonstranten ein. Auch dieses Jahr fällt der Termin in den Ramadan.

Unterdessen kündigte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan an, das Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park - das im Sommer 2013 landesweite Proteste ausgelöst hatte - doch noch zu verwirklichen. Für Spannungen sorgt auch das Verbot für die am kommenden Sonntag geplante Gay-Pride-Parade.

Die Demonstranten am Samstag skandierten "Faschisten" und "Mörder" an die Adresse der Regierung. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Der Protest richtete sich gegen einen Übergriff auf Fans der Rockgruppe Radiohead am Freitagabend in einem Plattenladen. Die Angreifer hatten den jungen Leuten vorgeworfen, in dem für Muslime heiligen Monat Ramadan Alkohol getrunken zu haben. Die Radiohead-Fans hatten das neue Album der Band "A Moon Shaped Pool" gehört. Damit feierten Anhänger der Gruppe auf der ganzen Welt zeitgleich die Veröffentlichung des Albums und übertrugen die Veranstaltung live im Internet.

Eine Aufnahme ist auf der Website des Senders CNN Türk abrufbar. Das Video zeigt, wie mehrere Männer unter lauten Rufen ein Plattengeschäft stürmen, Menschen auf die Straße treiben und vor dem Laden Möbel umschmeißen.

Radiohead verurteilte den Angriff. Es sei ein Akt "gewalttätiger Intoleranz", teilte die britische Rockband am Samstag im Magazin "Rolling Stone" mit. "Wir schicken unseren Fans in Istanbul unsere Liebe und Unterstützung", hieß es in der Mitteilung. Die Band hoffe, dass solche Angriffe bald der fernen Vergangenheit angehören würden.

Für Spannungen dürfte auch die Ankündigung von Staatspräsident Erdogan sorgen, den Istanbuler Gezi-Park doch noch bebauen zu lassen. "Wir werden dort dieses historische Werk errichten", sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag bei einer Rede in Istanbul. Das erfordere "Mut". Erdogan bezieht sich damit auf Pläne von vor drei Jahren, auf dem Parkgelände neben dem zentralen Taksim-Platz den Nachbau einer osmanischen Kaserne mit einem Einkaufszentrum zu errichten.

Demonstrationen gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans

Anfang Juni 2013 hatten sich landesweite Proteste an dem Projekt entzündet. Die Demonstrationen richteten sich schnell gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans, der damals noch Ministerpräsident war. Die türkische Polizei schlug den Protest brutal nieder. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben.

In einer weiteren Rede zum Fastenbrechen am Samstagabend unterstellte Erdogan nach Angaben von Anadolu den Gezi-Demonstranten von damals Zusammenarbeit mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Erdogan ist seit Sommer 2014 Staatspräsident. Auf dem zentralen Taksim-Platz wurden seit den Gezi-Protesten keine Demonstrationen mehr erlaubt.

dpa

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