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Todesmutig stürzte sich Otto Lilienthal in seinem selbstkonstruierten Hängegleiter in die Tiefe - bis er bei einem der Versuche starb.

Tragisches Ende

Endlich geklärt: So starb Flugpionier Lilienthal

Berlin - Er flog tausende Male mit seinem selbst konstruierten Hängegleiter, doch im August 1896 unterlief Flugpionier Otto Lilienthal ein tödlicher Fehler. Jetzt weiß man, welcher das war.

Im August 1896 stürzte sich Otto Lilienthal wie schon tausende Male zuvor mit seinem Gleiter von einem Berg nahe des brandenburgischen Ortes Stölln in die Tiefe. In der Regel flog er bis zu 250 Meter weit, doch an diesem Tag waren die Windverhältnisse extrem. Sein Gleiter stürzte aus 15 Metern Höhe ab, Lilienthal starb an den Folgen dieses Unfalls. Die genauen Ursachen für das Unglück des Luftfahrtpioniers haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nun erstmals untersucht und festgestellt: Lilienthal hätte an diesem Tag nicht fliegen dürfen.

„Sein tödlicher Absturz geht nicht auf einen Konstruktionsfehler, sondern wahrscheinlich auf einen Pilotenfehler zurück“, erklärt Andreas Dillmann, Leiter des DLR-Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik. Gemeinsam mit einem Team hat er einen originalgetreuen Nachbau des Lilienthal-Gleiters in einem Windkanal im niederländischen Emmeloord getestet.

„Der Gleiter hat Windgeschwindigkeiten bis zu 36 Kilometern pro Stunde standgehalten und Datensätze geliefert, die Lehrbuchcharakter haben“, sagt Dillmann. „Es handelt sich um eine aerodynamisch absolut saubere Konstruktion.“ Die Flugeigenschaften glichen denen eines typischen Schul-Segelflugzeugs der 20er und 30er Jahre. „Konstruktionen, die Jahrzehnte nach Lilienthal flogen.“

Von den Ergebnissen waren die Forscher selbst überrascht. „Das ist so gut, dass es fast schon wieder stutzig macht“, sagt DLR-Luftfahrtvorstand Rolf Henke. Lilienthal hätten weder Windkanal noch Computersimulation zur Verfügung gestanden. „Aber er wusste, worauf es beim Fliegen ankommt.“ Bis heute werden Flugzeuge nach von Lilienthal erkannten Kriterien wie Luftwiderstand und Auftrieb bewertet. „Er war der erste Flugwissenschaftler, als dessen Erben wir uns sehen“, sagt Henke.

Die Genialität des Liliental-Gleiters hatte jedoch Grenzen. „Er konnte nur bei bestimmten Bedingungen sicher geflogen werden“, erklärt Dillmann. „Wenn die Nase des Gleiters zu hoch kommt, bäumt er sich auf und wird unbeherrschbar.“ Genau das könnte aus Sicht der Wissenschaftler am 9. August 1896 passiert sein: Es wird berichtet, dass sich Lilienthals Gleiter bei einem als Sonnenbö bezeichneten Aufwind aufrichtete, in der Luft kurz stehenblieb und dann seitlich abstürzte.

Die Manövrierfähigkeit des sogenannten Normalsegelapparats testete DLR-Mitarbeiter Christian Schnepf in Göttingen im Selbstversuch. Er hängte sich in den Gleiter und schaffte es, dessen Schwerpunkt durch Vor- und Zurückwerfen seiner Beine zu verändern und ihn damit zu steuern. Schnepf: „Ich habe jetzt vor Lilienthal nicht mehr nur Respekt als Wissenschaftler und Konstrukteur, sondern auch als Sportler.“

Die Möglichkeiten der Steuerung durch die Beine waren jedoch begrenzt. „Lilienthals Gleiter konnte gut und sicher bei Windstille oder Gegenwind fliegen“, erklärt Dillmann. Für andere Windverhältnisse habe die Manövrierfähigkeit nicht ausgereicht: „Lilienthal hätte am Unglückstag nicht fliegen dürfen.“

Forscher testen Flugapparat von Otto Lilienthal

dpa

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