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Beschäftigte von Thyssen-Krupp-Rasselstein nehmen vor dem Werk in Andernach an einem Warnstreik teil. Foto: Thomas Frey

Bundesweite Warnstreiks in Metallindustrie angelaufen

"Völlig unzureichend", "Magerkost", "Provokation": Die IG Metall ist über das neue Angebot der Arbeitgeber zur dritten Verhandlungsrunde empört. Nun ist die Friedenszeit vorbei, es darf gestreikt werden - und die Gewerkschaft sendet gleich ein Signal.

Saarlouis/Berlin (dpa) - Nach ergebnislosen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall in der Nacht zum Freitag bundesweit mit Warnstreiks begonnen.

Um Mitternacht war die Friedenspflicht ausgelaufen, die Streiks nicht gestattet. Auf Versammlungen vor vielen Werkstoren unterstützten Streikende die Forderung der Gewerkschaft nach einer Anhebung der Entgelte um fünf Prozent. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nannte auf einer Kundgebung bei den Ford-Werken in Saarlouis vor rund 3000 Menschen das Tarifangebot der Arbeitgeber "Magerkost" für die Beschäftigten. Profite seien offenbar wichtiger.

"Solange die Arbeitgeber meinen, die Leistung und das Engagement der Beschäftigten mit diesem provokanten Angebot abspeisen zu können, werden wir mit Warnstreiks antworten", sagte Hofmann. Die Gewerkschaft hoffe, dass so Bewegung am Verhandlungstisch entsteht. Die dritte Verhandlungsrunde war am Donnerstag ergebnislos beendet worden.

Die Gewerkschaft rief bundesweit Beschäftigte in Hunderten Betrieben auf, ihre Arbeit am Freitag vorübergehend niederzulegen. Während der wohl größten Aktion bei der Volkswagen-Tochter Audi in Ingolstadt legten rund 5000 Mitarbeiter für zwei Stunden die Arbeit nieder und kamen zu einer Kundgebung auf dem Werksgelände zusammen. Mit Trillerpfeifen und roten Papp-Händen verlangten sie in Anlehnung an die Entgeltforderung "Give me five!". Wegen des Streiks konnten Freitagfrüh rund 250 Autos nach Gewerkschaftsangaben nicht vom Produktionsband.

Um Mitternacht sprach der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, vor rund 2100 Beschäftigten der Ford-Werke und umliegender Betriebe in Köln. Er sagte: "Das Angebot ist weiterhin eine Provokation." Die Zeit für die Arbeitgeber laufe ab. "Wer eine Lösung vor Pfingsten möchte, muss sich bewegen", sagte Giesler.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hatte hingegen betont, die Offerte sei vorgelegt worden, "um endlich über die Strukturen einer möglichen Lösung ins Gespräch zu kommen". Eine längere Laufzeit des Tarifabschlusses verschaffe den Unternehmen Planungssicherheit.

Vorgeschlagen haben die Arbeitgeber rückwirkend ab April Einkommensverbesserungen in zwei Stufen, die sich bei einer Laufzeit von 24 Monaten auf insgesamt 2,1 Prozent summieren. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent über zwölf Monate. Damit gingen sie nur unwesentlich über ihr erstes Angebot hinaus. "Zu wenig bleibt zu wenig und wird auch nicht mehr, wenn man es neu verpackt", sagte Südwest-Landesbezirksleiter Roman Zitzelsberger. Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigten der Elektro- und Metallindustrie 5 Prozent mehr Geld.

Neue Verhandlungstermine gebe es in den verschiedenen Tarifbezirken voraussichtlich ab dem 10. oder 11. Mai, sagte IG-Metall-Chef Hofmann. Im Südwesten werden die Verhandlungen laut Zitzelsberger wohl am 11. Mai fortgesetzt.

So bleibt Zeit für die Gewerkschaft, den Druck auf die Arbeitgeber mit Warnstreiks zu erhöhen. Dabei könnte es auch zum Einsatz von Tagesstreiks kommen, die im neuen Konzept der IG Metall möglich sind und keine Urabstimmung vorsehen.

Südwestmetall-Chef Wolf kritisierte die Aktionen: "Das Land versinkt in Streiks", sagte er auch mit Blick auf die Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst. Das schade Deutschland auch in der internationalen Wahrnehmung.

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