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Labour-Chef Jeremy Corbyn sieht sich einer Revolte seiner eigenen Fraktion gegenüber.

Misstrauensvotum verloren

Britischer Labour-Chef Corbyn kämpft um sein Amt

London - Seit dem Brexit-Votum sind Großbritanniens Volksparteien im Führungsstreit gefangen. Labour-Chef Corbyn stemmt sich gegen ein Misstrauensvotum seiner Fraktion. Bei den Konservativen beginnt das Gerangel um die Nachfolge des scheidenden Premiers Cameron.

Nach dem Brexit-Votum sind die beiden großen Fraktionen im britischen Parlament im Führungsstreit gefangen. Labour-Chef Jeremy Corbyn sieht sich einer Revolte seiner eigenen Fraktion gegenüber. Die große Mehrheit der Labour-Abgeordneten entzog ihm das Vertrauen. Sie werfen Corbyn mangelnde Führungsstärke vor, außerdem soll er nur halbherzig gegen den Brexit geworben haben. Einen Rücktritt schließt Corbyn aber aus.

Bei den Tories bringen sich die Bewerber für die Nachfolge von Premier David Cameron in Stellung. Am Mittwoch beginnt die Nominierungsphase. Als heiße Anwärter auf das Amt gelten Brexit-Wortführer und früherer Bürgermeister Londons, Boris Johnson, und Innenministerin Theresa May. Berichten zufolge werben beide bereits seit dem Wochenende unter den konservativen Abgeordneten um Unterstützung. Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt kündigte an, er ziehe eine Bewerbung „ernsthaft in Betracht“. Ein neuer Tory-Chef soll spätestens am 9. September feststehen und als Cameron-Nachfolger dann die Verhandlungen mit der EU über den Austritt Großbritanniens aufnehmen.

Schwierige Zeiten für Labour-Chef Corbyn: 172 Mitglieder der Labour-Fraktion im britischen Parlament entzogen ihm bei einem Misstrauensvotum am Montag das Vertrauen. Nur 40 Abgeordnete halten dem Vorsitzenden noch die Stange, meldete die Nachrichtenagentur PA am Dienstag. Trotzdem will Corbyn nicht zurücktreten. In einer Erklärung nach Bekanntwerden des Votums schrieb Corbyn: „Ich wurde von 60 Prozent unserer Parteimitglieder und Unterstützer demokratisch gewählt, um eine neue Politik zu machen. Ich werde sie nicht durch einen Rücktritt verraten“. Zudem habe das Votum der Abgeordneten keine rechtliche Grundlage.

Für die Tory-Parteispitze und damit auch das Amt des Premierministers können die Politiker voraussichtlich ab Mittwoch kandidieren, wenn der Zeitplan des Auswahlverfahrens festgelegt ist. Daraus wählen die Tory-Abgeordneten zwei Kandidaten aus, zwischen denen bis zum 9. September die Parteibasis wählen soll.

In der Gunst der Tory-Wähler liegt einer YouGov-Umfrage vom Dienstag zufolge May vorn. Sie war gegen den Brexit. Die Frage, ob Großbritannien in der EU bleiben soll, hat die Konservativen tief gespalten.

Finanzminister George Osborne, lange Zeit einer der Favoriten auf die Nachfolge Camerons, will sich nicht bewerben. „Ich bin nicht die Person, die die Einigkeit bieten kann, die meine Partei braucht“, schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für die „Times“ am Dienstag. Er sei aus dem EU-Referendum als „kontroverse Person“ hervorgegangen. Osborne hatte für den Verbleib in der EU geworben, die Briten stimmten aber mit 52 Prozent für den Brexit.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon kündigte unterdessen für Mittwoch eine Reise nach Brüssel an. Sie wolle dort mit EU-Parlamentspräsident Schulz über die künftige Rolle Schottlands in der EU sprechen, sagte Sturgeon bei einer Rede im schottischen Regionalparlament. In Schottland hatte sich bei dem Referendum eine Mehrheit gegen den Brexit ausgesprochen. Auch Sturgeon will Schottland in der EU halten.

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dpa

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