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Einer der beiden Flugschreiber aus der russischen Unglücksmaschine nahm ungewöhnliche Geräusche an Bord auf.

Neue Hinweise für Ermittler

Absturz über Ägypten: Satellitenfoto zeigt Hitzeball

Moskau - Experten hören auf dem Stimmenrekorder der russischen Unglücksmaschine untypische Geräusche an Bord. US-Sender berichten zudem von Satellitenfotos eines Hitzeballs zum Unfallzeitpunkt.

Nach dem Absturz des russischen Passagierflugzeugs über Ägypten sind Ermittler auf einen neuen Hinweis gestoßen. Kurz vor der Katastrophe habe der Flugschreiber ungewöhnliche Geräusche an Bord aufgezeichnet, meldete die Agentur Interfax am Dienstag. Zuvor habe es noch normale Gespräche zwischen Piloten und Lotsen gegeben - ohne jeden Hinweis auf Unregelmäßigkeiten. Die Agentur bezog sich auf informierte Kreise in Kairo, wo die Flugschreiber nach dem Absturz vom Samstag mit 224 Toten ausgewertet werden. Nach Einschätzung russischer Behörden war der Airbus A321 auf dem Weg von Scharm el Scheich nach St. Petersburg bereits in der Luft zerbrochen.

Die Rumpfteile auf der Sinai-Halbinsel weisen russischen Angaben zufolge keine Beschädigung von außen auf. Auch US-Sicherheitsexperten hatten nach der Analyse von Satellitenfotos Medienberichten zufolge ausgeschlossen, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte. US-Satelliten hätten zum Zeitpunkt des Absturzes einen Hitzeball über dem Sinai verzeichnet, berichteten die TV-Sender CBS und NBC. Es gebe aber keine Hinweise etwa auf einen Abschuss durch eine Rakete.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi warnte vor Propaganda der Terrormiliz IS. „Wenn es Propaganda gibt, dass es [das Flugzeug] wegen des IS abstürzte, ist das ein Mittel, um die Stabilität, die Sicherheit und das Image Ägyptens zu beschädigen“, sagte er dem britischen Sender BBC in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Stunden nach dem Absturz war im Internet ein Bekennerschreiben im Namen des Islamischen Staates (IS) aufgetaucht. Der Wahrheitsgehalt wurde von verschiedenen Seiten bezweifelt.

In Moskau kritisierte Kremlsprecher Dmitri Peskow Berichte, wonach ein möglicher Anschlag auf das Flugzeug mit russischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien zusammenhängen könnte. Spekulationen über einen eventuellen Vergeltungsschlag seien „völlig unangebracht“. Russische Medien berichteten, dass an der Absturzstelle „Teile“ gefunden worden seien, die nicht dem Flugzeug zuzuordnen seien. Peskow bestätigte dies nicht. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse auf der Suche nach dem Absturzgrund“, sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin.

Der russische Zivilschutz brachte die sterblichen Überreste weiterer Opfer nach St. Petersburg. Eine Iljuschin Il-76 landete am frühen Dienstagmorgen auf einem abgesperrten Bereich des Flughafens. „Wir werden diese Arbeit täglich machen, bis alle Toten und ihre Habseligkeiten herausgeholt worden sind“, sagte der stellvertretende Katastrophenschutzminister Wladimir Stepanow. Laut Behördensprecher Alexej Smirnow wurden bisher 140 Leichen in die Newa-Stadt gebracht.

Am Absturzort suchten Bergungskräfte weiter nach Hinweisen auf die Unglückssache. Die nach Ägypten entsandten etwa 100 russischen Helfer würden dabei auch Drohnen einsetzen, sagte Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow: „Wir suchen Zentimeter für Zentimeter ab.“ Auf Weisung von Putin reiste auch Russlands Chef-Ermittler Alexander Bastrykin nach Kairo. Er soll die Ermittlungen koordinieren.

Der Absturz des Ferienfliegers ist das schwerste Unglück in Russlands Luftfahrtgeschichte. Das sibirische Flugunternehmen Kolavia schließt sowohl einen technischen Defekt an seiner mehr als 18 Jahre alten Maschine als auch einen Fehler der erfahrenen Piloten aus.

dpa

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