Ein Lichtblick

"The Light between Oceans": Tränen ja, aber kein Kitsch

Die Literaturverfilmung „The Light between Oceans“ ist eine meisterhafte Mischung aus Thriller, Romanze und Drama und trotz ein paar Tränen in den Augen, ist der Film alles anderes als typischer Kitsch.

Das hätte alles furchtbar schiefgehen können. Leuchtturmwärter, einsame Insel, große Liebe, ein alles veränderndes Familiengeheimnis. Vorsicht, Kitsch-Gefahr! Aber nein, Drehbuchautor und Regisseur Derek Cianfrance („The Place beyond the Pines“) legt seine Verfilmung von M. L. Stedmans Bestseller „Das Licht zwischen den Meeren“ nicht als Schmonzette à la Nicolas Sparks an. Das hier ist ein bewegendes Drama über – festhalten! – Leben und Tod, Vergebung und Vergeltung, Liebe und Hass, Richtig und Falsch – und funktioniert trotzdem weitgehend Pathos-frei.

Weil Cianfrance ein Gespür dafür hat, das rechte Maß zu halten. Wie das Meer, das in jeder Szene mal leiser, mal lauter rauscht, und die stetig wechselnden Gezeiten, schwankt auch der Film zwischen Märchen und Albtraum.

Ein Job auf einer einsamen Insel

Es ist ein Spiel von Licht und Dunkelheit, das Cianfrance hier inszeniert. Im Zentrum: Tom Sherbourne (Michael Fassbender), ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Soldat, der sich nach Westaustralien flüchtet, um dort freiwillig für den Posten des Leuchtturmwärters anzuheuern. Ein Job draußen auf einer einsamen Insel, mitten im Ozean, gottverlassen.

Dieser Tom sieht müde aus. Er will weg von den Menschen, will sich allem entziehen. Dann steht er da, auf „seinem“ Turm. Wie eine Kerze, die fast erloschen ist. Ausgebrannt. Bis er Isabel (Alicia Vikander) trifft. Sie das genaue Gegenteil: ein Wildfang, ein Sonnenschein. Der Funke springt über.

Die beiden sind die Idealbesetzung. Mit Fassbender verpflichtet Cianfrance einen der Besten, die Hollywood gerade zu bieten hat; Oscar-Preisträgerin Vikander übertrifft sich selbst. Was die zwei zusammen machen, kann gar nicht überzuckern. Zu ernsthaft ihr Spiel, zu perfekt ihre Verbindung. Das alles vor atemberaubender Kulisse. In Bildern, geprägt von Helligkeit und Dunkelheit, die auf die große Leinwand gehören (Kamera: Adam Arkapaw).

"Was wünschen Sie sich also?"

Was als Idyll beginnt, wird bald von dunklen Wolken überwölbt. Erst folgt Isabel ihrem Tom auf die – nun nicht mehr so einsame – Insel. Heirat, Schwangerschaft, Glück. Doch nach der zweiten Fehlgeburt müssen sie einsehen: Die Gesellschaft kann man nicht auf ewig ausblenden. Auch in der Abgeschiedenheit gibt es Trauer, Fragen nach Schuld, Hoffnungslosigkeit. Bis neue Hoffnung in einem Boot angespült kommt, die alles in eine ganz andere Richtung treibt.

Am Anfang fragt Isabel den ihr noch fremden Tom: „Was wünschen Sie sich also?“ Seine Antwort: „Ein Leben. Ich glaube, das reicht mir.“ Es ist das echte Leben, dem er sich wieder aussetzen muss. Schmerzlich muss er erfahren, dass man seinem Gewissen nie entfliehen kann, und ist der Ort auch noch so weit entfernt von allem. „The Light between Oceans“, das ist nicht der Leuchtturm, sondern Tom selbst, der versucht, stets das Richtige zu tun. Was das ist? Eine Antwort darauf findet auch diese meisterhafte Mischung aus Thriller, Romanze und Drama nicht. Und regt gerade deshalb zum Nachdenken an. Wenn die Tränen weggewischt sind. Denn die sind ausdrücklich erlaubt – auch bei Nicht-Schmonzetten.

„The Light between Oceans“

Mit Michael Fassbender

Regie: Derek Cianfrance

Laufzeit: 133 Minuten

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Rubriklistenbild: © Constantin Film Verleih GmbH/dpa

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