Beziehungskomödie der anderen Art

Herrlicher Kinospaß mit derber "Dating Queen"

Amy Schumer hebt auf herrlich amüsante Weise die klassische Beziehungskomödie aus den Angeln

„Monogamie ist unrealistisch“, trichtert der notorische Fremdgänger-Vater seinen kleinen Töchtern Kim und Amy ein, bevor er die Familie für immer verlässt. Kein Wunder, dass Amy (Amy Schumer) Jahrzehnte später die Kerle verbraucht wie Papiertaschentücher. Als Reporterin bei einem Männermagazin lebt sie auf einer permanenten Party-Überholspur und trinkt allabendlich munter ihre Begleiter unter den Tisch.

Obwohl darüber schon die Jahre ins Land gingen und die jüngere Schwester längst den idyllischen Traum von Familie und trautem Heim lebt, befindet sich Amy keineswegs in der Torschlusspanik-Phase. Ihre Dates trifft sie nicht aus Verzweiflung und Kinderwunsch. Die Frau will’s krachen lassen. Diese Einstellung gerät auf sehr originelle Weise ins Wanken, als die Journalistin für eine Titelstory den Arzt Aaron Conners (Bill Hader) interviewen soll, der sämtliche Sportstars der Gegenwart behandelt. Der Welpencharme des erfolgreichen, aber in Party- und Liebesdingen noch überraschend unerfahrenen Mannes lässt die coole Amy dahinschmelzen.

Die Handlung klingt nach typischer Hollywood-Schnulze. Doch was die beiden Komiker Amy Schumer und Bill Hader, die schon optisch nicht ganz den üblichen Idealen der Traumfabrik entsprechen, aus den schlichten Vorgaben zaubern, ist einfach umwerfend. Schumer, eine deftige US-Variante unserer Carolin Kebekus, bricht auch in ihren Fernsehauftritten ständig die gängigen Tabus. Hader, der bei „Saturday Night Live“ zu sehen ist und für die bissige Comedyserie „South Park“ schreibt, schert sich kein bisschen um Aussehen und Wirkung. Mit Regisseur Judd Apatow („Beim ersten Mal“) heben sie die Konventionen für Beziehungskomödien aus den Angeln und ersetzen Altbekanntes durch Anarchie.

Wie immer bei Apatow zielen viele Witze unter die Gürtellinie, und mancher Gag ist ein Frontalangriff auf den guten Geschmack. Erwartet man keine zuckersüße Komödie, sondern einen eher derben Spaß, kann man sich mit dieser saufenden, lärmenden und grölenden „Dating Queen“ herrlich amüsieren. Auf die Off-Kommentare und die Woody-Allen-Reminiszenzen könnte man bei einer Fortsetzung ja verzichten.

„Dating Queen“

mit Amy Schumer, Bill Hader

Regie: Judd Apatow

Laufzeit: 125 Minuten

Rubriklistenbild: © Universal Pictures/dpa

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