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Im bayerischen Bergen leben Dutzende Asylbewerber mit den Einheimischen zusammen.

Dokumentation im Ersten

Bergidylle trifft auf Flüchtlingsodyssee

Berlin/Bergen - Dutzende Asylbewerber leben zurzeit in ehemaligen Hotels in einem Dorf in der Nähe des Chiemsees. Wie funktioniert das Zusammenleben inmitten bayerischer Bergidylle? Eine Doku im Ersten zeigt es.

Es gibt Weißbier, es gibt Blasmusik und die Kühe liegen kauend im Gras. In dem oberbayerischen Luftkurort Bergen hat Tradition einen hohen Stellenwert. In der Idylle mit 4800 Einwohnern leben seit 2013 auch Asylbewerber. Eine Dokumentation zeigt, wie das Zusammenleben funktioniert. Das Erste strahlt „Das Golddorf - Asyl im Heimatidyll“ am Dienstag um 23.00 Uhr aus.

Filmemacherin Carolin Genreith spricht als Off-Stimme in der Ich-Form und sagt: „Ich bin hierher gefahren, ins tiefste Oberbayern. Um zu sehen, was ein Dorf wie Bergen mit Flüchtlingen macht, und Flüchtlinge mit Bergen.“

Eine ältere Frau sitzt mit einer Männergruppe an einem Tisch. Sprachkurs. Einige wiederholen, was die Frau sagt. Manche verstehen nichts. Sie sind seit kurzem hier in einem ehemaligen Hotel untergebracht. Männer aus Eritrea, Afghanistan und Syrien. Das Dorf ist ein Mikrokosmos. „Sprechen Sie ein bisschen Deutsch?“ Fehlanzeige. Englisch? Auch nicht. „So, jetzt haben wir große Schwierigkeiten“, sagt die Frau, aber sie gibt nicht auf. Und nach und nach klappt es mit ersten Sätzen.

Im Juli lebten in dem Ort im Chiemgau nach Gemeindeangaben 85 Asylbewerber in zwei ehemaligen Hotels. „Das Golddorf“ macht deutlich, mit welch schwerer Last die Flüchtlinge in der Bergidylle ankommen. Einer von ihnen ist ein Filmemacher aus Kabul in Afghanistan. Er sieht sich sein jüngstes Filmprojekt auf einem Laptop an. Er seufzt und sagt: „Ich vermisse meine Freunde, meine Kollegen, meine Arbeit.“ Er beschreibt, wie hart es für ihn war, seine Familie zurückzulassen. Die Dokumentarfilmerin begleitet über eine längere Zeit den Alltag von ihm und einem weiteren Asylbewerber.

Deutschland nimmt derzeit immer mehr Flüchtlinge auf. In den Erstaufnahmestellen ist es teilweise so voll, dass manche Menschen mit einem Zelt vorlieb nehmen müssen. Viele Kommunen sind auf der Suche nach neuen Unterkünften.

Die Autorin spricht mit vielen Alteingesessenen im Dorf. Leute, die hier geboren wurden und hierbleiben wollen. In einer Eisdiele diskutieren junge Frauen aus dem Trachtenverein. Eine Dirndl-Trägerin sagt, dass sie noch nicht bei den Asylbewerbern vorbeigeschaut habe. Sie wolle nicht stören. Ein älterer Herr meint auf einer Hütte, dass es gewöhnungsbedürftig sei, dass jetzt Flüchtlinge in dem Ort seien.

Eine Bewohnerin, die sich für die Flüchtlinge einsetzt, sagt, dass es am Anfang zwei Lager unter den Bürgern gegeben habe. Die einen seien skeptisch gewesen, die anderen wollten sofort helfen, beschreibt sie. In einer geselligen Runde diskutieren Männer beim Bier, viele Argumente werden ausgetauscht. Auch hier ist Skepsis mit dabei, aber auch viel Offenheit. Am Ende heißt es: Die Politik ist gefordert.

Der 1984 geborenen Carolin Genreith gelingt es, dem Thema eine Leichtigkeit beizumischen. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt, baut viele ruhige Pausen ein. Und der Film zeigt immer wieder kleine witzige Begebenheiten im Ort. So bekommen die Flüchtlinge einen tiefen Einblick in die bayerische Tradition bis hin zum Schuhplattler. Da schauen sie dann doch lieber erst einmal zu, bevor sie sich an so einem Spektakel beteiligen.

dpa

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