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Eine künstlich hergestellte Situation soll zeigen wie man sich im Ernstfall verhalten soll.

Helfen statt wegschauen!

Zivilcourage: Zwischen Panik und Gewissen...

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Neckargemünd - „Schnell weg – zwischen Panik und Gewissen“. In diesem Zivilcouragetraining lernen Teilnehmer wie es richtig geht: 

Ein junger Mann steht mitten in der Menschenmasse auf dem Bismarkplatz in Heidelberg und schreit um Hilfe. Er wird von drei Männern angegriffen – doch die Menschen ignorieren ihn, hören weg oder laufen einfach weiter...

„Weggucker“ versuchen sich mit Ausreden zu rechtfertigen, viele Menschen wissen jedoch einfach nicht, wie sie RICHTIG reagieren sollen. 

Eine Situation, die heutzutage – besonders auch in öffentlichen Bereichen – leider viel zu oft zum Alltag gehört!

Aus diesem Grund zeigen Stefanie Ferdinand, Erziehungswissenschaftlerin und Theaterpädagogin und Günther Bubenitschek, erster Kriminalhauptkommissar und Experte der Kriminalprävention, Teilnehmern innerhalb eines Zivilcouragetrainings, wie sie mit solch brenzligen Situationen am besten umgehen: 

Dazu haben sich über dreißig Personen in einem kleinen Stuhlkreis im alten Rathaus versammelt, die Stimmung ist ausgelassen aber auch ernst. Ein Mann meldet sich und erzählt von einer Situation, die er selbst schon zwei Mal miterleben musste.

„Ich habe in einem öffentlichen Verkehrsmittel mitbekommen, wie ein Streit eskaliert ist. Doch die Menschen haben auf ihr Handy gestarrt und überhaupt nicht reagiert“.

Er ist nicht allein – die meisten der Teilnehmer haben eine eigene Geschichte, die sie zum Nachdenken und zur Teilnahme an diesem Seminar bewegt hat. 

Günther Bubenitschek erklärt, warum dieses Training so wichtig ist: 

„Es ist wichtig, das Zeugen eingreifen. Doch es ist genauso wichtig ihnen zu zeigen, was sie tun sollen, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen.“ Dabei erwähnt er den Fall der 22-jährigen Tugce, die zwar Mut bewies, dafür jedoch ihr Leben geben musste.

In verschiedenen Übungen lernen die Teilnehmer die goldenen Regeln der Zivilcourage: Helfen, ohne sich selbst zu gefährden, andere zur Hilfe auffordern und nicht in der Unterzahl eingreifen!

Eine der Übungen stellt eine Situation in einer vollen S-Bahn dar: Zwei Männer pöbeln eine Frau an. Wie wird sie reagieren? Werden die anderen „Fahrgäste“ einschreiten? 

Als einer der „Pöbler“ die Frau anfasst, steht sie auf und wehrt sich. Ein Mann hinter den Angreifern geht dazwischen. Erst dann stehen auch die Männer in der „Viererrunde“ auf.

Bei der anschließenden Analyse gibt einer der Teilnehmer zu: „Ich war mir nicht sicher ob ich wirklich eingreifen soll, denn ich hatte das Gefühl die Frau ist stark und bekommt die Situation selbst gut in den Griff." 

Genau diese Denkweise sollte man laut Bubenitschek überwinden und helfen, auch wenn die Situation “harmlos“ scheint. 

Johannes M. (62), einer der Teilnehmer, verrät uns:„Als ich 20 Jahre alt und in der Nacht auf dem Nachhauseweg war, habe ich mitbekommen wie eine Gruppe von circa 10 Bikern einen bewusstlosen Mann auf die Gleisen gelegt hat. Ich habe sofort eingegriffen und hatte Glück, dass die Männer auf mich reagiert haben. Sie zogen den Mann runter. Aber es hätte mich auch viel schlimmer treffen können. Ich habe vor solchen Sitautionen mittlerweile richtige Angst“

Zudem rät er: „Männer sollten Nachts, wenn sie einer Frau entgegen laufen, von selbst die Straßenseite wechseln um der Frau ein unangehmes Gefühl zu nehmen.“

Eine Sache fällt uns in diesem Seminar jedoch auf: Es sind deutlich mehr Männer als Frauen dabei. 

Wir fragen den Experten ob man daraus schließen könnte, dass mehr Männer Zivilcourage zeigen. Bubenitschek antwortet mit einem „Nein“. Meistens sind sogar mehr Frauen in den Seminaren. Frauen sind meist ein wenig sensibilisierter und möchten sich als Beobachter oder auch als möglicher Betroffener besonders sicher fühlen.

Wichtig ist: Als Opfer sollte man seinem Angreifer immer selbstbewusst und mit lauter Stimme gegenüber treten. Als Beobachter sollte man versuchen mehrere Leute zur Hilfe aufzufordern und zur Sicherheit die Polizei alarmieren. 

nis 

Quelle: Mannheim24

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