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Die neue Kunsthalle soll im Dezember 2017 eröffnet werden.

Umstrittenes Bauprojekt

Kunsthalle-Neubau: „Stadt in der Stadt“?

Mannheim - Das umstrittene Mammutprojekt Kunsthalle ist inzwischen weit fortgeschritten: Mehr als 20 Meter ragt der Neubau in die Höhe. Kritiker sehen ihre Befürchtungen bestätigt.

Mannheim will mit seiner Kunst in der oberen Liga mitspielen – das zeigt die Dimension des Kunsthallenneubaus deutlich. Schon auf der Baustelle wird offensichtlich: Hier entsteht etwas ganz Großes, so wie es Direktorin Ulrike Lorenz bereits seit ihrem Antritt im Jahr 2009 vorschwebt. In 21 Metern Höhe entsteht ein Glasdach über dem Atrium – der Innenraum wird Besuchern kostenlos offen stehen.

Man fühlt sich klein“, sagt Baukoordinator Uwe  Buck, selbst immer wieder überwältigt von der Größe der Kunsthalle. 

Am Freitag (1. Juli) ist Richtfest. Die Eröffnung des Baus ist für Dezember 2017 geplant. Um das Projekt gab es in den vergangenen Jahren viel Streit.

Die neue Kunsthalle nimmt Formen an

Auf dem Kellergeschoss stehen sieben Häuser, wir nennen sie Kuben“, erläutert Buck. „Diese Kuben sind untereinander verbunden, aber auch voneinander getrennt.“ Es entstehe nicht einfach nur ein Museum, sondern ein Museumsquartier. „Die Kuben sollen eine Stadt in der Stadt abbilden.“ Eine direkte Verbindung führt zum Jugendstilbau, dem erhaltenen Teil der Kunsthalle.

Mitzlaff-Bau musste weichen

Abgerissen wurde der sogenannte „Mitzlaff-Bau“, der den Planern zufolge nicht den neuesten energetischen Standards entsprach und zu wenig Platz bot für die wachsende Sammlung des Hauses. Große Räume für große Kunst, so sah es Lorenz von Anfang an – und fühlte sich im alten Museum beengt. An Platz mangelt es im Neubau nicht: Im Erdgeschoss soll es auf 1.000 Quadratmetern Sonderausstellungen geben. Im gesamten Gebäude entstehen 13 Ausstellungsräume.

Ein besonderer Platz ist für das Herzstück der Mannheimer Sammlung vorgesehen: „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“ von Édouard Manet. „Unser großer Manet soll einen eigenen Raum bekommen – er wird sich aber auseinandersetzen müssen mit einem Gegenüber“, sagt Direktorin Lorenz. Mal könne das ein Film sein, mal eine Grafik. Für den Neubau sollen auch zeitgenössische Künstler Werke erstellen.

Ästhetik? Kunst im „Parkhaus“

Aus Sicht der Bürgerinitiative, die gegen das Projekt Stimmung gemacht hat, wäre der Neubau nicht nötig gewesen. Sie ärgert sich vor allem über die Ästhetik der Kunsthalle am Vorzeigeplatz der Stadt nahe dem Wahrzeichen Wasserturm. „Es stört die Jugendstilanlage um den Friedrichsplatz enorm“, sagt Jürgen Wunder von der Initiative. „Es ist ein grober Betonklotz, der da nicht hingehört. Den Bürgern wurde Freifläche genommen.“ 

Die Optik erinnere an ein Parkhaus – diesen Vergleich zieht die Initiative seit Langem.

Baukoordinator Buck kann das nicht nachvollziehen. Sein Blick schweift über die Baustelle. „Wenn man hier drinsteht und die Aufblicke und Durchblicke sieht, dann erledigt sich qua Augenschein dieser Parkhaus-Gedanke.“ 

Die Wände seien zwar jetzt noch in Betonoptik, würden aber natürlich ansprechend gestrichen. Am Ende bekommt das Gebäude mit seinen sechs Treppenhäusern eine transparente Metallfassade aus bronzebeschichteten Edelstahlrohren. Im zweiten Obergeschoss gibt eine Terrasse den Blick auf den Wasserturm frei.

Die Kritiker bemängeln auch die Kosten  des 68,3 Millionen Euro teuren Projekts. Der Großteil wird zwar von einer Spende abgedeckt. Aus Sicht der Bürgerinitiative hätte aber der „Mitzlaff-Bau“ gut stehenbleiben können. Wunder glaubt zudem nicht, dass es tatsächlich bei den eingeplanten Kosten bleibt. Baukoordinator Buck indes ist optimistisch. Direktorin Lorenz sitzt eher die Zeit im Nacken. „Wir wissen genau, was vor uns liegt, und wir brauchen auch viel Glück, um unser Zeitziel zu erreichen.

Hintergrund

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts prägt die Kunsthalle Mannheim das kulturelle Leben der Kurpfalzstadt - ihr Gründungsmotto: „Kunsthalle für alle“. Die Sammlung der deutschen und internationalen Moderne bis zur Gegenwart reicht von Èdouard Manet bis Francis Bacon. Außerdem gibt es einen Skulpturenschwerpunkt. 

1907 entstand der Jugendstilbau, 1983 kam mit dem „Mitzlaff-Bau“ eine Erweiterung dazu. Sie ist nun Geschichte: Bis 2017 entsteht hier unter Führung von Direktorin Ulrike Lorenz ein Neubau, dessen Größe der ausgestellten Kunst angemessen sein soll. Die Kunsthalle steht am schönsten Platz der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Wasserturms.

Weitere Artikel zur Kunsthalle auf unserer Übersichtsseite.

Christine Cornelius/dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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