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Nach Kinopolis-Gieselnahme: Ist die Regelung zur Aushändigung des kleinen Waffenscheins zu lasch?

Nach Kinopolis-Geiselnahme

Empörung über ‚lasche‘ Ausstellung des kleinen Waffenscheins! 

Mannheim – Der Schock über die Kinopolis-Geiselnahme sitzt allen noch tief in den Knochen. Doch nachdem bekannt wurde, dass der Geiselnehmer einen kleinen Waffenschein besaß, weicht der Schock der Empörung...

Nachdem bekannt wurde, dass der Kinopolis-Geiselnehmer den kleinen Waffenschein besessen hat, wird Unmut aus den Reihen der SPD und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) über den Umgang bei der Ausstellung des kleinen Waffenscheins laut. 

>>>Reif genug? Kinopolis-Geiselnehmer (†19) besaß kleinen Waffenschein

Die Empörung ist groß. Die Gründe und die Forderungen sind jedoch völlig verschieden:

Auf welcher Rechtsgrundlage erhielt der Geiselnehmer den kleinen Waffenschein?

Der Mannheimer Stadtrat und SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Boris Weirauch fordert Aufklärung darüber, auf welcher Rechtsgrundlage der mutmaßliche Geiselnehmer von Viernheim im April 2015 durch die Stadtverwaltung Mannheim einen sogennanten kleinen Waffenschein erhalten hat. 

Geiselnahme: SEK-Einsatz im Kinopolis

„Ich möchte eine Erklärung, weshalb die Waffenbehörde nach eigenen Angaben nicht wusste, dass und in welcher Form der mutmaßliche Geiselnehmer in einem Betreuungsverhältnis stand, erklärt der Abgeordnete.

Der sicherheitspolitische Sprecher der Mannheimer SPD hält fest:  

„Geklärt werden muss auch, warum keine Überprüfung der Genehmigung erfolgt ist, nachdem im April 2016 die Polizei einen offenbar sicherheitsrelevanten Vorfall gemeldet haben will“.

Die Konsequenz

Weihrauch kündigt eine Anfrage für die nächste Sitzung des Sicherheitsausschusses des Mannheimer Gemeinderats an: „Sollte es hier Probleme bei behördlichen Abstimmungen gegeben haben, müssen wir wissen, woran es gelegen hat“.

Gewerkschaft der Polizei fordert Registrierung von Käufer und Waffe

Innerhalb der letzten Monaten ist die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein sprunghaft gestiegen. Er berechtigt zum Tragen von Schreckschußwaffen.

Gerade die Ereignisse letzte Woche im hessischen Viernheim, (WIR BERICHTETEN)  wo ein geistig verwirrter Mann mit einer Waffe ein Kino stürmte und Geiseln nahm, facht die Diskussion wieder an.

>>> Hier geht‘s zu unserer Übersichtsseite zur Geiselnahme im Kinopolis

Warum erfolgt keine Registrierung?

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt nicht erst nach diesem Vorfall vor den Folgen und hat immer den Kleinen Waffenschein zusammen mit der Registrierung von Käufer und Waffe gefordert. 

Aber den Ländern, darunter auch Hessen und Baden-Württemberg, war d er mit der Registrierung verbundene Verwaltungsaufwand zu groß.

Das Fatale an dieser Entwicklung: nach wie vor stellen Gas- und Schreckschußpistolen mit über die Hälfte die Tatmittel bei so schweren Straftaten wie Raub- oder Banküberfällen. „Wir sehen das mit Sorge“, kommentiert der Mannheimer GdP-Chef Thomas Mohr, der Mitglied im Geschäftsführenden Landesvorstand von Baden-Württemberg ist, diese Entwicklung. 

Steigende Nachfrage für den kleinen Waffenschein

Die steigende Nachfrage für den kleinen Waffenschein sei ein Indiz dafür, dass sich derzeit viele Bürger unsicher fühlen. Allein seit Januar 2016 seien insgesamt 671 kleine Waffenscheine in Mannheim ausgestellt worden – im ganzen Jahr 2015 waren es lediglich 123. Mohr hält dies auch für eine Folge des Personalabbaus bei der Polizei

Fälle der lebensgefährlichen Begegnungen häufen sich 

Über Notruf alarmierte Polizisten treffen immer öfter auf junge Menschen, die in aller Öffentlichkeit mit diesen Schreckschusswaffen und Softair-Waffen hantieren, die vom Aussehen der scharfen Schusswaffen gleich sind. 

„Wenn der erste Jugendliche erschossen wurde, weil unsere Kolleginnen und Kollegen von einer ernsthaften Bedrohung ausgehen mussten, ist das Geschrei groß.“, so Mohr.

GdP-Chef fordert Verbot des Tragens von Gegenständen die echten Waffen ähnlich sehen 

Daher fordert der Mannheimer GdP-Chef Mohr das Verbot des Führens auch von Gegenständen, die echten Waffen täuschend echt nachgebildet sind

Auch von einer farblichen Markierung solcher Waffen hält Mohr nichts: „Es ist nicht gänzlich ausgeschlossen, dass zum Beispiel eine neonfarben lackierte Spielzeug- oder Schreckschußwaffe trotzdem eine scharfe Schusswaffe sein kann“, so Mohr weiter.

Es bleibt abzuwarten welche Konsequenzen die Gemeinderäte, Stadtverwaltungen, der Landtag und die Polizei nach diesem Unglück ziehen werden...

GdP/SPD/kp

Quelle: Mannheim24

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