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Malaika Mihambo hat bei der EM in Amsterdam Bronze geholt.

Leichtathletik-Überraschung

Malaika Mihambo (22) und ihr Traum-Jahr 2016

Heidelberg – Hinter Weitspringerin Malaika Mihambo liegen ereignisreiche Monate. Wenige Wochen nach ihrer ersten Olympia-Teilnahme haben wir die Oftersheimerin zum Interview getroffen:

Das Jahr 2016 hätte für die Weitspringern Malaika Mihambo nicht viel besser laufen können. 

Nach einer hartnäckigen Verletzung hat sich die gebürtige Heidelbergerin, die für den TSV Oftersheim aktiv ist, zurückgekämpft und ist bei den Olympischen Spielen in Rio eine der positiven Überraschungen des deutschen Leichtathletikteams gewesen. 

Im Interview mit HEIDELBERG24 spricht die 22-Jährige über ihre Erlebnisse in Rio, den schönsten vierten Platz ihrer Karriere und ihre beruflichen Ziele.

Frage: Frau Mihambo, Platz drei bei der EM, ein starker vierter Platz bei den ersten Olympischen Spielen Ihrer Karriere: Haben Sie die ganzen Erlebnisse schon verarbeiten können?

Malaika Mihambo: „Ja, inzwischen schon! Es ging ja sowohl nach der EM als auch nach Rio gleich mit dem nächsten Wettkampf weiter, da hat das am Anfang vielleicht etwas gedauert, bis man alles realisiert hat.“

Sie haben nebenbei noch einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft gemacht. Wie haben Sie das Studium mit dem Sport unter einem Hut gebracht?

„Selbstdisziplin und Willen sind dabei ganz wichtig. Ich wollte neben der Sport- meine Bildungskarriere nicht vernachlässigen. Die Abwechslung zwischen Sport und Studium hat mir sehr gut getan - ich brauche diese Abwechslung.“

Fotos: Malaika Mihambo und ihr Traum-Jahr 2016

Um auf Rio zurückzukommen: Da Ihre Wettbewerbe erst in der zweiten Woche stattgefunden haben, mussten Sie lange Zeit warten, bis es endlich losgeht. Haben Sie die Spiele vorher überhaupt verfolgt?

„Man schottet sich schon etwas ab. Ich war ja in der ersten Woche noch in Deutschland und habe mich dort auf mein Training konzentriert. Abends habe ich mir dann natürlich auch ab und zu einige Wettbewerbe angesehen.“

Wie war Ihr Befinden dann in den Stunden vor dem Olympischen Finale? Überwog der Druck oder die Vorfreude?

„Ich habe mir vorher gesagt, dass es ein Wettbewerb wie jeder andere ist. Dadurch war ich im Wettkampf weder zu angespannt noch zu entspannt. Bei dem größten Sport-Event der Welt körperlich und mental so gut drauf zu sein, war für mich ganz wichtig.“

Sie haben gleich am Anfang einen richtig guten Sprung hingelegt. Wie groß war da auch schon die Erleichterung?

„Der erste Sprung mit meiner persönlichen Bestleistung ist natürlich ein sehr guter Einstieg gewesen. Das hat mich dann auch beflügelt.“

Sie waren vor Olympia lange verletzt. Mit welchem Ziel sind Sie dann in die Spiele gegangen?

„Ich hatte keine speziellen Ziele. Ich wollte einfach zeigen, was in mir steckt. Was dann letztlich dabei rauskommt, ist egal, wenn ich mein Bestes gegeben habe und das habe ich. Ich bin mit einem guten Gefühl nach Rio. Nach meiner Verletzung war ich allein über die Teilnahme sehr glücklich.“

Sie sprechen es an. Sie waren lange verletzt und haben sich dann bei der EM in Amsterdam eindrucksvoll zurückgemeldet. War das auch der Schlüssel für die gute Leistung in Rio?

„Ja, die Europameisterschaft ist für mich sehr wichtig gewesen. Ich habe dort bereits in der Qualifikation die Olympia-Teilnahme perfekt gemacht, das war schon so ein Schlüsselmoment.“

Wie haben Sie die Stimmung in Rio bzw. speziell im Olympischen Dorf wahrgenommen?

„Die Stimmung war schon gut, aber im Olympischen Dorf ist doch alles sehr weitläufig gewesen. Durch die Entfernungen habe ich mit anderem Sportler lediglich beim Essen oder im Deutschen Haus zu tun gehabt. Vor meinem Wettbewerb war ich aber eh auf das Training fokussiert und bin mit meinem Trainer die Abläufe durchgegangen. Dadurch war ich auch ein bisschen in meinem eigenen Tunnel.“

Haben Sie sich vor Ort auch andere Wettbewerbe anschauen können?

„Das war schwierig. Wir sind mit unseren Sportler-Akkreditierung nicht überall reingekommen. Die Verantwortlichen haben uns sogar den Zugang zu Qualifikationswettbewerben, die gar nicht gut besucht waren, verwehrt. Da ist dann auch der Olympische Spirit verloren gegangen, das ist schade!

Sie waren auch bei der Abschlussfeier.

„Das war ein toller Moment, in dieses große Stadion einzulaufen. Leider hat die Feier etwas unter dem schlechten Wetter gelitten.“

Wie war denn das Feedback aus der Heimat? Haben Sie davon etwas in Rio mitbekommen?


„Das habe ich schon mitbekommen, gerade auch über meine Facebook-Seite habe ich viele Glückwünsche bekommen. Meine Freunde haben schon zur Qualifikation ein kleines Public Viewing veranstaltet. Dass dann während des Finales in meinem Verein mitten in der Nacht ein Public Viewing stattgefunden hat, hat mich natürlich riesig gefreut.“

Der vierte Platz gilt ja manchmal als etwas undankbarer Platz. Wie haben Sie das so unmittelbar nach dem Finale empfunden?

„Ich war schon direkt danach sehr glücklich. Die Anspannung war weg, ich habe meine persönliche Bestleistung aufgestellt (6,95 Meter, Anmerkung der Redaktion). Wäre der Abstand zu den Top drei etwas knapper gewesen, hätte ich mich vielleicht mehr geärgert (lacht).“

Während Olympia stand Ihre Sportart mehr im Blick als sonst. Haben Sie sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit gefreut?

„Um meine Person, gab es jetzt nicht so den großen Rummel. Es ist aber schon schön, wenn die eigene Sportart mehr Aufmerksamkeit bekommt.“

Rio war Ihre erste Olympia-Teilnahme. Ist dadurch die Lust auf Tokio 2020 gestiegen?

„Tokio ist sicherlich ein Fernziel, aber natürlich noch überhaupt nicht präsent. Die WM 2017 in London und die EM 2018 in Berlin sind jetzt meine nächsten großen Ziele.“

Sie haben im September Ihren Bachelorabschluss absolviert. Wie geht es bei Ihnen beruflich weiter?

„Ich will demnächst meinen Master machen, für den ich auch mehr Zeit investieren möchte. Aktuell mache ich ein Praktikum bei den „Starkmachern“ (Soziale Organisation in Mannheim, Anmerkung der Redaktion), was mir großen Spaß macht. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, mich auch in Zukunft im sozialen Bereich zu engagieren.“

nwo

Quelle: Mannheim24

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