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Roland Schäfer bildet Gefängnisinsassen in der JVA zu Schiedsrichtern aus. 

Fußball als Chance

Ausbildung in JVA: Vom Regelbrecher zum Regelhüter

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Frankenthal – Ehemalige Gefängnisinsassen sollen ‚draußen‘ Schiedsrichter sein? Was merkwürdig klingt, soll motivieren und eine Chance für die Zukunft darstellen: 

Roland Schäfer unterrichtet: Fußball-Fragebögen liegen auf den Tischen, ein Fußball auf dem Boden, eine grüne Tafel ist im Klassenraum. Die Schüler werden in ein paar Wochen die Prüfung zum Fußball-Schiedsrichter ablegen. Seine Schüler: Gefängnisinsassen. Das Klassenzimmer: Die Justizvollzugsanstalt.  

Schäfer ist Schiedsrichter-Obmann des Kreises Rhein-Pfalz. Im März 2015 startet er das etwas eigenwillige Projekt mit der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankenthal. „Schiedsrichterei hat auch etwas mit Verantwortung zu tun“, sagt der 61-Jährige.

Können Regelbrecher wirklich zu Regelhütern werden?

Was soll der Kurs überhaupt bringen? An vorderster Stelle: Abwechslung. Der Gefängnisalltag ist eintönig und trostlos. Da genügt es schon, durch die Entscheidung für einen Kurs wie den der Referees im strikt durchgeplanten Alltag einfach mal wieder etwas selbst bestimmen zu dürfen. Fußball lieben sind sie ohnehin alle. Doch wenn sie wieder ‚draußen‘ sind, haben sie wieder genug Abwechslung. Doch: Trotzdem pfeifen aus dem ersten Kurs vier der zwölf Häftlinge regelmäßig.

Es sei einfach das Gefühl, etwas geschafft zu haben, sagen sie: ein ganzes Spiel – von An- bis Abpfiff. „Viele haben in ihrem Leben noch nie etwas zu Ende gebracht“, erzählt Natascha Becker, die Dezernentin der JVA. Eine Urkunde für den Lehrgang und damit verbunden die erworbene Qualifikation seien so gesehen für manchen schon ein echtes Erfolgserlebnis.

Wie geht jemand mit Gewalt um, der früher selbst zugeschlagen hat?

Von der Kreisklasse bis hoch in die Bundesliga kann man heutzutage beobachten wie Schiedsrichter immer aggressiver angegangen werden. „Bist du blind Schiri?“, ist da noch die harmloseste Variante der Pfeifkritik. Besonders im Amateurbereich kann es aber auch handgreiflich werden. Genau da, wo die Häftlinge später pfeifen sollen. „Damit müsst ihr rechnen!“, bleut Schäfer seinen Schützlingen ein. Und dann vor allem: Ruhig bleiben. Ein Schiedsrichter kann es sich nicht leisten, die Kontrolle zu verlieren. Er soll schließlich Vorbild sein.

Schiedsrichterausbildung ist keine Garantie für gutes Verhalten

Schäfer kann nicht garantieren, dass nicht auch einer dieser Männer hier im Klassenraum irgendwann noch einmal straffällig wird. Auch einen abgebrochenen Schulabschluss kann die Schiedsrichter-Lizenz nicht ersetzen – vielleicht aber den einen oder anderen motivieren, ihn mit dem neu gewonnenen Gespür für Verantwortung doch noch einmal anzugehen. 

Doch der Schiedsrichter ist hoffnungsvoll: „Wenn auch nur einer über diesen Weg die Chance hat, in seinem Leben etwas besser zu machen – dann ist es all den Aufwand schon wert gewesen.“

Quelle: Mannheim24

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