+
Gwyneth Paltrow verbreitet wissenschaftlichen Unsinn - und viele werden es ihr glauben.

Wirbel um Schauspielerin

Paltrows durchgeknallter Wasser-Hokuspokus

Los Angeles - Die frisch getrennte Gwyneth Paltrow erklärt mit Hilfe ihres Gurus Menschen, wie sie besser leben. Doch was die Oscar-Preisträgerin jetzt behauptet, verursacht bei vielen Kopfschütteln.

Promis halten sich ja gerne für allwissend und verteilen Ratschläge zu Themen wie gesunde Ernährung, Fitness oder Beauty. Manche verraten auch, wie Partys gelingen, wie man eine Wohnung verschönert oder wie man umweltbewusst lebt. Ihre Ergüsse pressen sie dann zwischen zwei Buchdeckel, denn dank ihrer Bekanntheit verkaufen sich ihre Weisheiten wie (selbst gebackenes) geschnitten Brot. Dass Fachleute oft die Hände über den Kopf zusammenschlagen, wenn sie die Tipps der Möchtegern-Experten lesen, stört die Leserschaft wenig. Zu groß ist ihr Wunsch, ebenso schön und schlank zu sein wie Jessica Alba, Cindy Crawford oder Cameron Diaz, zu heftig das Verlangen, ein wenig so zu leben wie Pippa Middleton, Alicia Silverstone - oder eben Gwyneth Paltrow.

Paltrow: "Wasser hat ein Bewusstsein"

Besonders schwierig wird es, wenn sich berühmte Laien zu wissenschaftlichen Zusammenhängen äußern - oder zu dem, was sie dafür halten. Die Oscar-Preisträgerin, die als eine der schönsten und bestangezogenen Frauen der Welt gilt, hat als Hobby-Köchin schon diverse Rezepte-Sammlungen herausgegeben - dabei ist ihre extrem-makrobiotische Ernährung ziemlich umstritten. Darüber hinaus veröffentlicht die "Iron Man"-Darstellerin auf ihrer eigenen Webseite regelmäßig einen Newsletter mit Lebenshilfe-Tipps. 

In ihrer neuesten Kolumne  schwärmte die 41-Jährige jetzt von "der Wissenschaft vom Bewusstsein des Wassers". Sie ist allen Ernstes davon überzeugt, dass Gefühle das nasse Element verändern können - und die Energie negativer Worte die Zellstruktur des menschlichen Körpers verändert. Diese erstaunliche Erkenntnis hat die Mimin aus dem Bildband eines gewissen Dr. Masaru Emoto. Das Buch läge "schon lange auf meinem Kaffeetisch", schreibt sie. Es zeige, wie sich die Struktur von Wasser verändere und sich Moleküle unterschiedlich verhalten, je nachdem welchen Worten oder welcher Musik sie ausgesetzt ist, so der Hollywood-Star.

Paltrows spiritueller Guru, Dr. Sadeghi, erzählt von den Experimenten, die der Japaner in den 90er-Jahren durchführte. Dabei schrieb dieser Worte wie "Hass" und "Krieg" beziehungsweise "Liebe" und "Dankbarkeit" auf mit Wasser gefüllte Gläser. Bei der Betrachtung der gefrorenen Flüssigkeit unter dem Mikroskop stellte er dann fest, dass die Eiskristalle aus den Gläsern mit den positiven Botschaften schön und perfekt sechseckig geformt waren, die negativen Worte hingegen brachten nur unförmige Klumpen hervor. Das gleiche passierte nach seiner Aussage, wenn er dem Wasser Bilder zeigte oder unterschiedliche Arten von Musik vorspielte. Auch Gebete hätten einen Einfluss auf das kühle Nass, so Emoto.

"Negative Worte beeinflussen Menschen körperlich"

"Diese Experimente beweisen, dass die Energie, die in positiven oder negativen Worten steckt, die Struktur eines Objekts verändern kann", erklärt Sadeghi. Da der menschliche Körper zu über 70 Prozent aus Wasser besteht, folgert Paltrows "mentaler Mentor", dass "die Vibration negativer Worte in unseren Zellen schwingt" und diese entsprechend verunstaltet.

Was Sadeghi seiner berühmten Patientin und ihren Anhängern (knapp 950.000 sind es auf Facebook, knapp 2 Millionen auf Twitter) verschweigt: Die Ergebnisse des Wasser-Flüsterers klingen nicht nur unglaublich, man sollte sie auch nicht glauben, denn die Wissenschaft widerlegte sie bereits: Alle Versuche, Emotos Experimente zu wiederholen, scheiterten kläglich. Der Pseudo-Forscher (er ist promovierter Politikwissenschaftler) war gezwungen, seine Behauptung zurückzunehmen - seitdem spricht er selbst auf seiner eigenen Homepage nurmehr von "einer neuen Art der Kunst, die weder als Naturwissenschaft, noch als Religion gelten solle."

Paltrows Unsinn verkauft sich hervorragend

Das hindert aber bis heute leichtgläubige Menschen wie die Ex von Coldplay-Sänger Chris Martin nicht, weiter an den Unsinn zu glauben und auf die Einflüsterungen ihres Gurus zu hören. Das ist ihr gutes Recht, doch: Auf Messen und TV-Verkaufskanälen geben Esoterik-Anhänger - auch hierzulande - jährlich Unsummen für die Bildbände mit den gefühlsduseligen Eiskristallen aus. Und dank Gwyneth Paltrow dürften es jetzt wieder ein paar mehr sein.

Haakon Nogge

Mehr zum Thema

Die deutschen Promis bei der Berliner Fashion Week - Bilder

Die deutschen Promis bei der Berliner Fashion Week - Bilder
Video

Dschungelcamp 2017: Hanka findet zur alter Stärke zurück 

Dschungelcamp 2017: Hanka findet zur alter Stärke zurück 
Video

Fashion Week: Cathy Hummels ohne BH?

Fashion Week: Cathy Hummels ohne BH?

Kommentare