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Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber die Ausnüchterungszelle ist sehr, sehr karg und unbequem.

Mit kugelsicherer Weste durch die Nacht

10 Stunden Streife: Teil 6 – Die Ausnüchterungszelle

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Ludwigshafen – Zurück auf dem Revier erfahre ich etwas über den Arbeitsalltag, schaue mir die Zentrale an und erfahre was in den Ausnüchterungszellen so alles getrieben wird...

„Also ich habe vier Stunden geschlafen“

Zurück auf dem Revier. Ich will unbedingt noch bis zum Schichtende um 5:30 Uhr bleiben. Als wir gegen zwei Uhr wieder auf dem Revier sind, fühle ich die Müdigkeit. Die Beamten füllen den Papierkram zu den bisherigen Einsätzen aus. Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, noch so fit zu sein. Außerdem ist es in den Büros trotz so später Stunde immer noch drückend heiß. Nur der Vorraum am Eingang ist klimatisiert.

Auf nächtlicher Streife – Teil 6: Die Ausnüchterungszelle

Die anwesende Nachtschicht hat sogar schon morgens gearbeitet. Von sechs Uhr früh bis Mittags. Dann schlafen sie ein paar Stunden und treten um 19:30 Uhr wieder zur Nachtschicht an. „Also ich habe vier Stunden geschlafen“, meint Christian. „Und wir haben noch Sport gemacht“, ergänzt Chrissie. Warum ist das so? „Das ist intern so erwünscht. Viele wohnen außerhalb und wollen mehr Zeit am Stück mit ihren Familien verbringen. Danach haben wir dann zweieinhalb Tage frei“, erklärt Christian.

In der Zeit auf dem Revier werde ich ein bisschen herumgeführt und sehe mir die Zentrale an. Sie wirkt surreal. Das liegt vielleicht daran, dass außer den großen Monitoren sonst kein Licht den großen Raum erhellt. Die Beamten haben viel zu tun. Dutzende Leitungen laufen bei ihnen zusammen und müssen koordiniert werden.

Die Ausnüchterungszelle

Danach geht es zu den Ausnüchterungszellen. „Die vom Strohhutfest in Frankenthal haben bei uns schon angefragt, ob sie welche benutzen dürfen“, erzählt mir Christian. Die Zellen wirken sehr karg. Nur eine Pritsche aus hartem Holz. Die Toilette ist mehr oder weniger nur ein Loch im Boden. „Ich dachte, es gäbe eine Matratze oder so etwas“, wundere ich mich. „Das gab es mal, aber es wurde alles in die Toiletten gestopft. Alles wird hier drin demoliert und zerstört. Deswegen gibt es auch keine Kloschüssel“, erklärt Christian.

Ich lege mich zur Probe auf die Pritsche. Na, bequem ist das keineswegs. Christian lächelt verschmitzt: „Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee war...“ - „Wieso denn?“, frage ich ahnungslos. „Weißt du was die Leute hier alles treiben? Die masturbieren...oder pinkeln auf der Pritsche...“ Noch nie bin ich so schnell aufgestanden. 

„Die Leute müssen hier ja auch nicht rein. Nur wenn kein Erwachsener die Verantwortung für sie übernehmen kann und sie nicht abholt“, ergänzt er. 

Mittlerweile ist es schon nach drei Uhr morgens. Ich denke nicht, dass noch groß etwas passieren wird. Ich rücke noch einmal mit Steini und Simon aus. Steini freut sich schon auf seinen Urlaub, der nach Dienstschluss beginnt. Er weiß noch nicht, dass in dieser Nacht noch viel Arbeit auf ihn zukommen wird...

Weitere Teile dieser Serie:

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 1: Zickenkrieg statt Brezeln

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 2: Der richtige Riecher

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 3: Beweismittel am Finger

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 4: Jugendliche Randalierer

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 5: Das verschwundene Quad

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 7: Weichgespülte Drogen

kp

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