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Unter dem Pseudonym Barbara hat am 09.06.2016 am Boxhagener Platz in Berlin eine anonyme Person zahlreiche Plakate mit Sprüchen angebracht.

Zeichen gegen Fremdenhass

Streetart-Künstlerin ‚Barbara.‘: Anonym erfolgreich

Berlin/Heidelberg - Ihre Werke werden ebenso gefeiert wie prämiert – aber kaum jemand weiß, wer sie ist. ‚Barbara.‘ hat es zur vielleicht meistbeachteten Streetart-Künstlerin Deutschlands gebracht.

Die mysteriöse Streetart-Künstlerin ‚Barbara.‘ hat sich mit Plakaten und Schildern eine große Fangemeinde im Internet aufgebaut. Doch ihre Identität hält sie geheim. 

Auch dieses Schild in Mannheim hat ‚Barbara.‘ verschönert.

Barbaras Spezialgebiet: Die Bearbeitung von Schildern – oder die Reaktion darauf. Bekannt wurde sie mit der Botschaft „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“. Diese hing unter einem Straßenschild mit der Aufschrift „Bekleben verboten“. Das Typische an Barbaras Streetart: Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Manchmal überklebt die Künstlerin auch offizielle Schilder. 

Für Aufsehen sorgte jüngst eine Open-Air-Ausstellung mit rund 100 ihrer gesellschaftskritischen Werke am Boxhagener Platz in Berlin. Glaubt man ihrem Facebook-Auftritt, war sie sogar persönlich dort. Aber auch hinterher ist niemand schlauer, wer sich hinter dem Pseudonym denn nun verbirgt. Eine Frau, ein Mann? Oder doch ein Kollektiv? Es gibt nur Hinweise auf ihre Identität.

‚Barbara‘ (k)lebt in Heidelberg

In einem Interview verriet die Street-Art Künstlerin, dass sie in Heidelberg lebe. 

Laut Tagesspiegel hat eine Gruppe Obdachloser eine Frau in den Mittvierzigern mit kurzen, blond-gelockten Haaren dabei beobachtet, wie sie am Tag vor der Guerilla-Ausstellung die Plakate mit den pointierten Sprüchen im Park angebracht hat. Höchstens 1,65 Meter sei sie groß gewesen und eine hübsche Erscheinung. Barbara sagt, sie wolle in der Anonymität bleiben, um sich weiterhin frei bewegen zu können. Interviews mit ihr sind selten – und wenn, dann nie persönlich, auch nicht am Telefon. Per Facebook-Chat macht sie Ausnahmen. Dem Tagesspiegel verriet sie, dass sie mittlerweile in Heidelberg lebe, sich aber immer wieder auch in Berlin aufhalte. 

Ihr Geschlecht gibt sie mit „Mensch“ an. Ihr Alter?„Ich bin jünger als Angela Merkel, aber älter als Justin Bieber.“ Also zwischen 22 und 61. Mehr ist nicht zu erfahren.

Dass angeblich nicht einmal ihr Freundeskreis von ihrer geheimen Passion weiß, könnte ins Bild passen. „Ich muss darauf achten, mich nicht in widersprüchliche Angaben zu meinem Zeitvertreib zu verstricken“, sagt die Künstlerin in der neuesten Ausgabe der Grazia.

Grimme-Online-Award für ‚Barbara.‘

Als ihre Straßenkunst jüngst mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde, gab es Gerüchte: Kommt Barbara persönlich zur Preisverleihung? Doch die Künstlerin schickte eine Stellvertreterin.

Selbst beim Kölner Verlag Bastei Lübbe, der einen Sammelband ihrer Werke veröffentlichte, weiß niemand, wer Barbara wirklich ist. „Alles lief inkognito ab, sie wollte sich auch uns nicht offenbaren, um ihre Kunstfigur aufrecht erhalten zu können“, erzählt Referentin Sarah Fusshoeller. Kommuniziert wurde über Vermittler. Im Oktober soll ein zweiter Band erscheinen.

So fing das Kleben an

Barbaras Erfolgsgeschichte hat ihren Ursprung in der Kindheit. Ihr (oder sein?) Opa habe ihr bei einem Spaziergang die Symbolik eines an die Wand geschmierten Hakenkreuzes erklärt, sagte sie (oder er). Als der Großvater es mit Spucke und Taschentuch nicht entfernen konnte, habe sie beim nächsten Spaziergang einfach einen Zettel mit einer lachenden Sonne über das Nazi-Symbol geklebt.

Mittlerweile ist Barbara ein Internet-Hit. Rund 460.000 Menschen folgen ihrem Facebook-Profil, auch auf Instagram ist Barbara aktiv. Ihre Themen sind grün und linksorientiert, ihre Werke richten sich gegen Homophobie und Hooligans, prangern Missstände etwa in der Agrarpolitik an.

Sie sollen aber vor allem ein Zeichen gegen Fremdenhass und Rechtspopulismus setzen. „Ich finde es erschreckend, dass so viele Menschen nicht aus der Geschichte gelernt haben und sich von rechten Hetzern mit plumpen ausländerfeindlichen Parolen vergiften lassen“, sagte Barbara der Grazia. Eines ihrer Werke: „Fremdenhass, das ist bekannt, endet oft hungrig am Dönerstand.“

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Fotos: Urban Art Festival bringt Farbe in die Stadt

Markus Plüm/dpa/kab

Quelle: Heidelberg24

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