+
Verschollen: Wo sind die gelbschwarzen Plagegeister?

Wo sind die „Plagegeister" abgeblieben?

Wird es ein Sommer ohne Wespen?

Heidelberg/Stuttgart - Hast Du in diesem Sommer schon eine Wespe gesehen? Nein? Wo sind die für die Natur wichtigen Insekten abgeblieben? Wir haben bei Experten nachgefragt:

Zugegeben, spätestens beim Eisbecher im Straßencafé oder beim morgendlichen Frühstück auf dem Balkon nerven die lästigen „Biester" jeden von uns. Normalerweise liest man um diese Zeit des Jahres bereits überall Tipps, wie man sich vor den häufig aggressiven Tieren „schützen“ kann. In diesem Jahr ist das aber anders. Kaum jemandem ist es bisher aufgefallen, aber es sind schlicht keine Wespen unterwegs! Weder auf dem Marmeladenbrot oder in den Bäckerei-Vitrinen, noch schwirren sie um öffentliche Mülleimer. 

Wo sind die Wespen?

Zwei Wespen kämpfen um ein Marmeladenbrot

Vorab – für all diejenigen, die sich jetzt schon auf einen wespenfreien Sommer freuen – diese Tiere sind als Insektenfresser für das ökologische Gefüge von großer Bedeutung. Wenn die Population tatsächlich rasant schwindet, hat das Auswirkungen, über die wir uns meist keine Gedanken machen. Sie fressen nämlich nicht nur unser Frühstück, sondern auch einen recht großen Anteil an Fliegen und Nachtfaltern, deren Raupen wiederum, wenn sie nicht dem ökologischen Gefüge entsprechend dezimiert werden, eine ernstzunehmende Bedrohung für Nutzpflanzen darstellen können. 

Experten sind vorsichtig mit Prognosen

Fest steht, dass die Wespenpopulation im Vergleich zu Vorjahren weitaus geringer ausfällt. Gibt es aber Prognosen, wie sich der Bestand in den kommenden Monaten weiterentwickeln wird? Christiane Kranz, Geschäftsführerin des NABU-Bezirksverbandes Rhein-Neckar, wagt eine erste Einschätzung. „Ich gehe derzeit tatsächlich davon aus, dass es dieses Jahr weniger Wespen geben wird als üblich. Dafür gibt es mehrere Gründe. Für wechselwarme Tiere ist die Entwicklung grundsätzlich eine Frage der Temperatur. Die befruchteten Königinnen, die meist zwischen April und Mai mit dem Nestbau beginnen, haben frostfrei überwintert und waren wegen der milden Temperaturen schon früh munter.“ Und zwar so früh, dass das Nahrungsangebot in Form anderer Insekten noch nicht gegeben war. 

Im Gegensatz zu Hornissen stehen Wespen nicht unter Naturschutz und dürfen „vernichtet“ werden. 

Als weiteren Grund führt Kranz an, dass Wespennester im Vergleich zu den Bienenstöcken wesentlich anfälliger für Feuchtigkeit seien. Ausgangsmaterial für den Nestbau sei morsches, trockenes Holz, das von der fleißigen Königin zu Kügelchen zerkaut wird und dann zu einer Art Pappmaché wieder zusammengesetzt würde. Wespen arbeiteten, anders als Bienen, nicht mit Wachs, das ja bekanntermaßen wasserabweisend sei. Auch wenn die Königinnen bei der Suche nach dem richtigen Nistplatz auf regengeschützte Plätze setzten, sei die Luftfeuchtigkeit ebenso schädlich. „Die Kinder liegen quasi im Nassen, wenn man so will, und dauerhafte Feuchtigkeit kann folgenschwere Pilzerkrankungen in der Brut verursachen“

Auch für Fritz Link von der Umweltakademie des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Stuttgart spielt das Wetter eine entscheidende Rolle, denn „die langen Regenperioden haben Nestbau und somit die Normalentwicklung empfindlich durcheinander gebracht“

Ob die Wespen in Sachen Familienplanung jetzt noch „aufholen“ können, hängt laut Experten sehr davon ab, ob es in den kommenden Wochen eine dauerhaft warme Periode geben wird, oder eben nicht. 

Wenn also in den nächsten Tage doch endlich mal eines der erstaunlichen Insekten an Dir vorbei summen sollte, freu‘ Dich einfach und vergiss nicht: auch sie hatten offenbar einen doofen Frühling....

Quelle: Mannheim24

Mehr zum Thema

Kommentare