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Die knackigen Schultern hinten, der verlängerte Radstand und die nach hinten versetzte Fahrerkabine rücken den Panamera auch optisch in die Nähe des 911er.

Mit Rasse und Klasse

Was ist der neue Porsche Panamera eigentlich?

Was ist er nun? Ein rassiger Rennwagen mit Riesenkofferraum? Oder ein bequemes Vorstandsfahrzeug mit Porsche-Schriftzug?

Von allem ein bisschen, aber vor allem eines: ein Verkaufserfolg, den vor sieben Jahren so niemand Porsche zugetraut hat. Denn der Panamera der ersten Generation, eine gelungene Kreuzung von Sportwagen, Limousine und Coupé hat sich über 150 000 Mal verkauft, und das macht bei einem Mindestpreis von 100 000 Euro …? Richtig, ein stattliches Milliardengeschäft. Jetzt gibt es die zweite Generation, wir durften schon mal ein paar Kilometer damit fahren.

Mehr 911er für den Porsche Panamera

Im Vergleich zum Vorgänger wirkt der neue Panamera gestreckter. Das Greenhouse (Fahrerkabine) ist nach hinten gewandert, der Radstand wurde länger und die Dachlinie im Fond um 20 mm abgesenkt. Dadurch wirkt der Porsche noch mehr wie ein Gepard im Sprung, schlank und dynamisch. Hinten fallen die knackigen Schultern auf und die 3-D-Heckleuchten. Der erste Eindruck ist richtig. Ja, der Panamera rückt optisch zum 911er auf.

Aber auch darüber hinaus wurden die Sportgene im neu entwickelten Auto gestärkt. Die Sitzposition des Fahrers liegt um weitere 10 mm niedriger. Ganz schön mutig im Hinblick auf die betuchtere, vielleicht deshalb auch etwas ältere Klientel. Denn für den im Augenblick kleinsten Panamera im Angebot, den V6-Biturbo-Benziner mit 440 PS, müssen schon mal 113 000 Euro Grundpreis hingeblättert werden.

Der V6 sprintet als Panamera 4S in 4,2 Sekunden von null auf 100 km/h, der V8-Biturbo mit 550 PS kriegt das in rekordverdächtigen 3,6 Sekunden hin und hat schon auf der Nordschleife des Nürburgrings seine Rennstreckentauglichkeit mit einer Rundenzeit von 7,38 Minuten unter Beweis gestellt. Der „kleine“ Benziner soll um die 8,1 Liter Benzin brauchen, der Turbo bei knapp unter 10 Litern bleiben. Da fehlt dann nur noch der Dritte im Bunde, ein 422 PS starker V8-Diesel, der es in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 schafft und sich mit 6,7 Litern Treibstoff zufriedengeben will.

Platz, edles Ambiente, Sitzkomfort – alles da, was in eine Luxuslimousine gehört. Für Faszination sorgen das neu designte Cockpit und der 12-Zoll-große Touchscreen in der Mittelkonsole.

So weit die nackten Werte. Wie nun fühlen sich die neuen Motoren im neuen Panamera an? Wir testeten den Turbo und den Diesel. Eines haben beide gemeinsam. Sie sind an Kultiviertheit nicht zu überbieten. Fast unmerklich schraubt sich der Panamera unter Einsatz von ausreichend Drehmoment zu Höchstleistungen, das neue Achtgang-Getriebe (zwei davon sind Overdrivegänge zum Benzinsparen) schaltet so zackig, präzise und schnell, dass es eine wahre Freude ist. Nur eines fehlt, aber vielleicht muss Zurückhaltung bei einer Sportwagen-Limousine dieses Typs auch sein: Beim Tritt auf das Gaspedal wollen die Schmetterlinge im Bauch nicht so recht fliegen, denn der emotionale Kick, den Beschleunigungswerte in diesen Bereichen normalerweise auslösen, fehlt ein wenig.

Dafür macht das Fahrwerk aus dem neuen Porsche-Luxusliner einen echten 911er. Die Drei-Kammern-Luftfederung hat für jede Fahrsituation die richtige Antwort und auch die Hinterachslenkung sorgt für Präzisionsarbeit in den Kurven. Dazu kommt noch die so genannte 4-C-Chassis-Control, die alle relevanten Fahrwerksdaten in Echtzeit hochrechnet und somit eine perfekte Fahrwerksabstimmung durch den Computer ermöglicht.

So viel Hightech hat der Porsche Panamera an Bord

Höchste Hightech! Aber es geht noch mehr. Denn erstmalig verwendet Porsche im Panamera das InnoDrive-System – eine Art virtueller Kopilot. Der ist natürlich ein Computer und koppelt – auch wieder in Echtzeit – alle Daten des Navigationssystems mit den verfügbaren Informationen von Abstandsregler und Verkehrszeichen und errechnet dann die optimalen Beschleunigungs- und Bremswerte unter Berücksichtigung von Kurven und Steigungen. Der Co-Pilot „denkt“ so drei Kilometer im Voraus und soll ein besonders effizientes Fahren garantieren.

Und noch zwei Neuigkeiten zum Schluss: Der neue Panamera ist wirklich ein Lademeister, das Volumen des Kofferraums liegt bei knapp 500 Liter (50 mehr als beim Vorgänger), hier haben locker zwei mittelgroße Reisekoffer und diverse Urlaubssouvenirs Platz. Im umgeklappten Zustand sind es sogar über 1304 Liter. Raum genug für eine Handvoll Zementsäcke, falls der Chef einer Baufirma einen plötzlichen Materialmangel seiner Truppe unter Einsatz seines Porsches beheben muss. 

Wer noch mehr Platz haben will, muss auf den neuen Kombi-Panamera warten. Denn es soll auch noch einen Shooting Brake geben, also eine noch gestrecktere, edlere und schnittigere Variante, die als Studie anno 2012 schon mal unter dem Titel „Sport Turismo“ beim Pariser Autosalon vorgestellt wurde. 

Porsche zeigt seinen neuen Panamera

RDF

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