+
Luxus pur bei Rolls-Royce: Designer Giles Taylor, glaubt, dass der Chauffeur seinen Arbeitsplatz verliert. Der Wagen fährt autonom.

BMW-Visionen

Das Auto, das tausende Fahrer erkennt

Zum 100sten Geburtstag blickt BMW mit der „Vision Next 100“ weit in die Zukunft. Jetzt präsentierte der Münchner Konzern auch für die Marken Mini und Rolls-Royce seine Visionen.

Das Auto zwischen mausgrau und steingrau ist spartanisch eingerichtet. Die Form signalisiert: Das könnte irgendwie ein Mini sein. Es ist ein Mini. Und vielleicht sogar der Mini, der in den 15 oder 20 Jahren zum Straßenbild der Großstädte gehört. In München hatte der Konzern bereits das Zukunfts-Modell „BMW Vision Next“ vorgestellt, jetzt waren zum 100sten Geburtstag des Konzerns in London zwei neue Visionen zu sehen. Genauer im Roundhouse, im Londoner Stadtteil Camden, einem ehemaligen Lokschuppen, seit Jahrzehnten Ort legendärer Rockauftritte von Pink Floyd über Jimmy Hendrix bis zu Led Zeppelin.

Jetzt also die große Bühne für ein rundumverglastes graues kleines Auto. Sein Auftritt beginnt, sobald der Fahrer in Reichweite kommt. Plötzlich taucht auf der grauen Tür ein buntes vom Fahrer bestimmtes Designelement auf. Und auf dem Straßenbelag vor der Tür lässt das Auto einen Schriftzug erscheinen: „Hello Harry“ zum Beispiel. Ein Gag und kein Kunststück, wenn das Auto einen festen Besitzer hat.

Doch der Mini Vision Next 100 ist anders gedacht: Er ist für Car Sharing konzipiert. Und damit erkennen tausende Autos zigtausende Fahrer. Nicht über einen Chip oder das Smartphone, sondern physiognomisch, also an der Größe, der Gestalt oder den Gesichtszügen, wie der Mini-Chefdesigner Anders Warming sagt.

Damit wird die Sache doch zur Vision: Angenommen unser Harry steigt in München am Flughafen aus, erlischt die Person im Mini. Er fliegt nach Los Angeles, und geht auf einen anderen mausgrauen Mini zu, erscheinen seine Farben auf der Tür, sein Name auf den Boden. Und das Auto ist sofort nach den persönlichen Einstellungen von Harry konfiguriert. „Jeder Mini ist Dein Mini“ sagt Warming. Das zeigt wohin – wenn man sich nicht allzusehr um den Datenschutz sorgt – die internationale Vernetzung bei den Autos führen kann. Technik ist Nebensache.

Welcher Motor? Egal. Emissionsfrei soll er halt sein. Kein Lichtschalter ist zu sehen, kein Klimaregler. Neben dem Lenkrad gibt es nur ein weiteres Bedienelement: Ein Ablagenetz ersetzt das Armaturenbrett. Und das Lenkrad kann der Fahrer einfach in die Mitte schieben, dann fährt das Auto autonom. Denn das selbstfahrende Auto wird in 20 bis 30 Jahren Standard sein, ist man bei BMW überzeugt. 

Rolls-Royce Vision Next 100

Das wird Folgen für den Berufsstand der Chauffeure haben. Sichtbar wird das am „Rolls-Royce Vision Next 100“, den BMW ebenfalls gestern in Camden vorstellte. Die Luxuslimousine der Zukunft hat keinen Arbeitsplatz für den Fahrer mehr, auch kein Lenkrad. Wo früher Vordersitze waren, ist jetzt viel Fußraum, für die Herrschaften. Nichts behindert deren Blick nach vorn, wenn sie sich im komfortablen Sofa im Fond niedergelassen haben. Und der virtuelle Fahrer, der auch Butler ist, sorgt für Sicherheit und Komfort. Rolls-Royce nennt ihn nach der legendären Kühlerfigur Eleanor (kein Brite kennt die Bezeichnung Lady Emily).

Äußerlich erinnert der Rolls-Royce der Zukunft an die automobile Vergangenheit. Die Kotflügel sind von der Karosserie wieder deutlich abgesetzt. Der endlos lange Vorbau erinnert an Vorkriegslimousinen, auch wenn sich darin kein Acht- oder Zwölfzylindermotor verbirgt, sondern das Gepäck der Passagiere. Spektakulär gestaltet sich das Aussteigen. Dafür öffnen sich zwei gewaltige Türflügel bis auf drei Meter Höhe – und erlauben selbst Hünen einen aufrechten Ausstieg.

Erstaunlich bei beiden Zukunftsvisionen: Nicht einmal ist vom fahrenden Smartphone die Rede, als das die meisten sich heute das Auto der Zukunft vorstellen. Die Antwort, die BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer darauf angesprochen gibt, spricht für neues Selbstbewusstsein der vermeintlich alten Industrie: „Wir wissen nicht, ob es in 30 Jahren Smartphones noch gibt, oder ob wir ganz anders kommunizieren.“ Die geschickt lancierte Botschaft aus dem Roundhouse: Automobile wird es auch dann noch geben, wenn von Google oder Apple, den vermeintlichen Erben der klassischen Autobauer, keiner mehr spricht.

Von Martin Prem

Der total verrückte Straßenverkehr in Deutschland

Der total verrückte Straßenverkehr in Deutschland

Dacia frischt Sandero und Logan MCV auf

Dacia frischt Sandero und Logan MCV auf
Video

Unglaublich, wie sich diese Frau aus dem Auto rettet

Unglaublich, wie sich diese Frau aus dem Auto rettet

Kommentare